06.04.2010 | Gütekraftberichte
Geld für eine Friedensaktion

Es war Ende der 1980er Jahre: Um bei einer bevorstehenden Großveranstaltung Luftballons als Friedensbotschafter zu nutzen, ließ eine Friedensinitiative aus Süddeutschland eine größere Anzahl davon mit Symbolen und Text bedrucken, womit genau, weiß ich nicht mehr. Dabei trat ein Missverständnis auf, so dass entweder schnell neue Ballons bedruckt oder die Aktion abgeblasen werden musste. Ich erfuhr davon...

... bei dem Treffen von etwa 10 Personen einer überregionalen Friedensorganisation, und es wurde berichtet, dass das zur Verfügung stehende Geld der Friedensinitiative beim ersten, misslungenen, Versuch verbraucht war. Der Neudruck sollte 150 Deutsche Mark kosten. Wir besprachen die Lage. Ich fand wie die anderen, die an dem Treffen teilnahmen, die Idee mit der Luftballon-Aktion gut. Es war bekannt, dass die Friedensinitiative klein war und weitgehend aus Engagierten mit Minimaleinkommen bestand. Es wurde diskutiert, aus welchen möglichen, vielleicht öffentlichen oder Vereins-Quellen der Neudruck finanziert werden könnte. Ich überlegte kurz. Ich habe als Beamter ein ordentliches, festes Einkommen. Auch andere mit gutem Einkommen waren bei dem Treffen dabei. Ich legte einen 20-DM-Schein auf den Tisch. Dies gab den Anstoß, andere in der Gruppe wurden angesteckt. Sie trugen ebenfalls etwas bei und das Problem war gelöst.

Wenn ich heute, nach 20 Jahren, nachspüre, was in mir vorging, fällt mir ein, es waren Fragen wie diese: Was habe ich mit dem fehlenden Geld zu tun? Wer bin ich hier in dieser Gruppe? Wem bin ich schuldig, für die Aktion Geld zu geben? Vor allem mir selbst. Wäre meine Frau einverstanden? Natürlich. Ich fühlte mich sehr gut, als ich den Schein auf den Tisch legte. Was ich tat – und es sogleich, ohne längere Diskussion, zu tun –, war genau das Richtige. Auch hoffte ich, dass die anderen sich beteiligten.

N.B. (Autor will anonym bleiben, der Name ist der Redaktion bekannt)

Eingetragen am 06.04.2010 von Martin Arnold


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