17.04.2009 | Was ist Gütekraft
Gütekraft: Ein Prüfstein (von Lanza del Vasto)

Woran ist gütekräftiges Verhalten zu erkennen?
Vielleicht daran, dass jemand sanft, liebenswürdig, freundlich, nachsichtig, geduldig, nachgiebig, heiter ist, dass er lächelt und segnet?
Nein, das kann auch der Heuchler.
Dass jemand ruhig, entspannt, gelöst und gleichmütig ist?
So verhält sich auch der Gleichgültige.
Dass jemand sich beherrscht und seinen Zorn zu zügeln versteht?
Ein höflicher Weltmann tut das ebenfalls.
Gütekräftiges Verhalten heißt, alles


darauf auszurichten, die Dinge klarzustellen, und auf das Gewissen zu zielen. Erst in einem Konflikt wird die Gütekraft erkennbar, nämlich wenn da, wo es natürlich oder berechtigt erscheinen mag, Gewalt anzuwenden, die Probleme gelöst werden, die sonst mit Gewalt angegangen werden. Wer gütekräftig handelt, versucht im Konflikt nicht,

  • dem Zorn des Gegners auszuweichen,
  • dessen Mitleid zu erregen oder
  • ihn zu überlisten.

Die Absicht ist vielmehr, in aller Klarheit Übereinstimmung zu erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen, können, je nach der Situation,

  • raue Worte genauso dienlich sein wie sanfte, können
  • heftige Gesten, die verblüffen,
  • sarkastische Äußerungen, die aufrütteln,
    genauso angebracht sein wie
  • Flüche, die warnen, und
  • im äußersten Fall sogar Schläge. Ja, auch Schläge, vorausgesetzt sie sind so frei von dem Wunsch zu schädigen wie die von einem Chirurgen zum Zweck der Heilung durchgeführte Amputation eines Gliedes.


(nach: Lanza del Vasto: Les quatre Fléaux, Die Macht der Friedfertigen, Übertragung: Martin Arnold)

Eingetragen am 17.04.2009 von Martin Arnold


Zurück Artikel Drucken nach Oben

Zurück zur Startseite

© 2002-2005 Arbeitsgruppe Gütekraft & Martin Arnold | Kontakt
Layout: Norbert Zingel | Netzweber: Dirk Grützmacher | Login